Frage
von Herrn C.B.:
Hallo Herr
Steffny,
vergangene Woche lief ich in Berlin meinen insgesamt
zweiten Marathon. Schon bei meinem Debüt im Juni
(ROSE-Marathon) diesen Jahres ist mir aufgefallen, dass
sich gegen Ende der 42,195km-Distanz Krämpfe in der
hinteren Oberschenkelmuskulatur ankündigten. Ungefähr
50m vor dem Ziel hatte ich dann auch einen gewaltigen
Krampf im hinteren Oberschenkel (Halbsehnenmuskel). Meine
Endzeit: 4h43min. Im Berlin-Marathon stellte sich das
Problem schon früher ein. Durch die Erfahrung mit der
Strecke forcierte ich das Tempo in diesem Lauf etwas. Um
km 35-36 kündigten sich langsam die Krämpfe wieder an.
Bis schließlich das Heben der Beine nicht mehr möglich
war, da sich die hintere Oberschenkelmuskulatur dann
direkt verkrampfte. Zunächst konnte ich noch "sehr
flach" weiterlaufen, musste dann ab km 37 jedoch
eine ganze Zeit äußerst langsam gehen, bis sich die
Muskulatur beruhigte. Dann steigerte ich das Tempo über
Walken auf langsames Laufen. Ab ca. km 38 konnte ich das
Rennen normal wieder aufnehmen und relativ gut zu Ende
laufen (4h20min). Zur Vorbeugung gegen Krämpfe habe ich
ca. 3 Wochen vor dem Marathon begonnen, tägl. 200mg
Magnesium aufzunehmen. Im Trainig, auch bei langen
Läufen, trat die Problematik nicht auf. Da nächstes
Jahr für mich wahrscheinlich New York auf dem Programm
steht und ich nicht mit Krämpfen vor einer der Brücken
enden möchte :-) meine Frage:
Kann ich noch irgendetwas unternehmen, um diese Krämpfe
möglichst weit hinauszuzögern, bzw. ganz abzustellen?
Mit freundlichen Grüßen
PS: Ihre Laufbücher sind wirklich empfehlenswert... vor allem
auch als gutes Geschenk für "Einsteiger".
Antwort
von Herbert Steffny:
Hallo Herr
B.,
wie vermeidet man Krämpfe? Ich weiß nicht viel über
Ihr Training und die Renneinteilung, aber ich möchte
einige allgemeingültige Aspekte erörten. Marathon ist
natürlich ein Grenzgang, auch für die Muskulatur! Da
sind mehrere Gründe für Krämpfe
verantwortlich und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen:
- die Leistungsgrenze,
da hilft nur ein ausreichender Trainingzustand.
Aber: bei höherem Trainingslevel läuft man
schneller und kommt wieder an die
"(Krampf-)Schmerzgrenze", soll heißen:
Es ist normal, dass es an der Grenze zwackt!
- Starten Sie
nicht zu schnell, das fördert sonst
einen Leistungseinbruch und muskuläre Probleme
am Ende.
- Spurten
Sie nicht kurz vor dem Ziel!
- Dehnungsübungen für die
Oberschenkelrückseite und die anderen
Beinmuskeln sind regelmäßig im Training zu
üben, denn verspannte Muskulatur
verkrampft sich an der Leistungsgrenze um so
wahrscheinlicher. Übungen finden Sie in meinen
Büchern und auf meiner Homepage.
- Genügend im
Marathon trinken, Wasser und...
- ...darin ist das
wichtigste Mineralsalz gegen Krämpfe im
Wettkampf: Kochsalz, nicht
Magnesium (wie uns die Werbung gerne einreden
möchte). Näheres hierzu in meinem Bestseller "Das
großen Laufbuch". Dort ist auch eine Rezeptur wie
man sein Laufgetränk selbst mischt.
- geeignetes Schuhwerk
und
- regelmäßiges Training
zunehmend auf Asphalt...
- ...und auf flachen
Strecken (wie im Wettkampf) ist
ebenfalls eine wichtige Vorbereitung sich an den
monotonen gleichförmigen Schritt zu gewöhnen.
- Im Alltag sind
Getränke wie zuviel Kaffee,
Colagetränke, Schwarzer Tee und Alkohol
nicht nur entwässernd, sondern führen dabei
auch zum Ausschwemmen von Mineralien
Unter
Berücksichtigung dieser Maßnahmen könnten Sie
höchstwahrscheinlich Krämpfe vermeiden. Aber der
wichtigste Aspekt ist ein gezieltes
Marathonvorbereitungsprogramm mit genügend ruhigen
Kilometern und langen Läufen wie in meinen
Plänen
vorgesehen.
Viel Glück beim nächsten Versuch
Herbert Steffny
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